Lügenmärchen 3



Märchenhaft stark sollen die Ahrntaler früherer Generationen gewesen sein. Sagenhafte Lasten trugen sie manchmal in Buckelkraxen auf ihre Berghöfe; gab es einmal nichts zum Tragen, so luden sie die ganze Kraxe voll Steine auf.

Einmal fuhr ein Blitzschlag in die Schafherde des Niederhoferbauern vom Gföllberg oberhalb von St. Johann, und erschlug auf der Alm sechs Tiere. Da der Niederhofer das Fleisch nicht verderben lassen wollte, lud er alle sechs Schafe auf einmal auf seine Kraxe und trug auf dem dreistündigen Weg nach Hause. Ein Schaf wiegt fünfzig Kilogramm und mehr.

Frühere Ahrntaler waren weitum für ihre Rauflust bekannt. Der alte Platter aß, bevor er seine Gegner aufs Korn nahm, meistens einen ganzen Suppenteller voll Schnaps aus, in den er mit bloßer Hand ein ganzes steinhartes Roggenbrot hineingebröselt hatte. Dass das Eindruck machte ist verständlich. Und einmal hat er gar einen riesigen Hackstock übers Hausdach geworfen.

Von einem Ahrntaler wird erzählt, dass es ihm Freude machte mit dem Kopf Türen einzurennen und im Wettkampf wie die Widder seine Gegner nieder zu rennen, von einem anderen erzählt man, dass er bei Raufereien einen Schlagring mit der Inschrift "Ich fürchte keinen" benutzte. Von einem dritten erzählt man sich, dass er so starke und dicke Finger hatte, dass in seinem Ehering ein Talerstück Platz hatte.



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