Das Kühtreiberle



"Dos hot holts Kiehtreibale gitoh!" , sagten die Leute, wenn auf der Pürschtalalm in St.Peter manchmal zu ganz unrechter Zeit die Rinderherde von der Hütte fortgetrieben wurde. Weithin tönten die Kuhschellen und Glocken, die Herde sprang in wilder Flucht über Stock und Stein, man hatte den Eindruck, jemand müsse hinter ihnen her sein. Weit hinauf ins Gebirge wurden die Tiere gejagt, und wenn man sie schließlich wiederfand, standen sie an Stellen, wohin der kühnste Hirte es nicht gewagt hätte sie hinzutreiben. Doch die Herde war stets vollzählig und unversehrt. Doch manchmal glaubten die Hirten den Schelm doch zu sehen, hinter einem Stein, an einem Abgrund. Manchmal sah man sein Köpfchen neugierig hervorschauen und verschmitzt lachen.

Anderenorts benahm sich das Kühtreiberle weniger harmlos. Es ist vorgekommen, dass über Nacht im Freien eingezäunte Herden plötzlich durch einen grellen Pfiff, einen Schuss, durch einen Lichtstrahl oder durch ein eigenartiges Rauschen geweckt und sosehr erschreckt wurden, dass die Tiere nicht mehr zu halten waren, panisch davonrannten und über Felswände in den Tod stürzten.



Zurück