Colorado/Prettau (ej)William Harold
Gibson befand sich als Kopilot in dem umgerüsteten B-17- Bomber, welcher vor 56
Jahren im hintersten Ahrntal abstürzte. Für die "Dolomiten" hat der
ehemalige Leutnant der US Air Force seine Erinnerungen vorab aufgeschrieben.
"Am 5. Juni 1945 sollte ich die
Besatzung des B-17 nach München fliegen, um Ziele, die wir während des Krieges
bombardiert hatten, zu fotografieren. An Bord waren 20 Personen: vier
Besatzungsmitglieder (darunter Pilot Mason und ich als Kopilot) und 16
Passagiere.
Der Flug sollte über Norditalien zum
Gardasee und über Bozen hinauf zum Brennerpass führen. In Brixen tat sich vor
uns ein großes flaches Tal auf. Auf Anweisung des Navigators nahmen wir das Tal
zur Rechten und hielten so lange Kurs, bis es nach einigen Minuten nach links
zog. (Anm. der Red.: Die Besatzung war nach Brixen also irrtümlicherweise nicht
ins obere Eisacktal, sondern ins Pustertal und dann "links" ins
Ahrntal abgebogen).
Zu diesem Zeitpunkt begann die Sache
verdächtig auszusehen. Nach ein paar Minuten waren wir gezwungen, bie Sand in
Taufers rechts abzubiegen, nicht wissend, wo wir waren. Erst dann sahen wir,
dass wir uns in einem Tal mit 'totem Ende' befanden. Wenn ich mich recht
erinnere, befanden wir uns auf einer Höhe von 1600 Metern, als wir den Fehler
entdeckten.
Da das Tal zu eng war, um umzudrehen,
war die einzige Möglichkeit, so schnell wir möglich aufzusteigen, um den
Talschluss, der mit Schnee und Eis bedeckt war, überfliegen zu können. Gerade
als es aussah, dass wir es über den Pass schaffen würden, fühlte ich, dass
das Flugzeug zitterte und überzog. Das war gegen 12.30 Uhr und das Letzte, an
das ich mich vor dem Absturz erinnern kann.
Am Nachmittag erlangte ich für wenige
Minuten wieder das Bewusstsein: Ich erfasste sofort, was passiert war. Ich
hörte ein Feuer brennen und Wasser rinnen. Ich konnte vom Feuer wegkriechen,
verlor dann aber wieder das Bewusstsein. Viel später erfuhr ich, dass nur vier
den Absturz überlebt hatten. Der Pilot und ich hatten Glück, weil wir beim
Aufprall durch die Windschutzscheibe in den Schnee geschleudert wurden.
Als ich an diesem Nachmittag wieder für
einige Minuten das Bewusstsein erlangte, waren die Retter dabei, die
Überlebenden vom Berg hinunter zu schaffen. Ich glaube, dass die mich auf
irgend einen Schlitten legten. Auch erinnere ich mich, irgendwo mit Seilen einen
Felsen hinabgelassen worden zu sein. Als Nächstes erinnere ich mich an die
Nacht in irgend einem Haus- niedriger als die Straße. Anscheinend bewachte mich
ein US- Soldat."
Hier brechen die Erinnerungen von William
Gibson ab.
Auch Pilot John Mason überlebte den
Absturz an der Birnlücke. Er wechselte später in die zivile Luftfahrt. Als
Pilot einer Frachtmaschine verunglückte er noch einmal. Diesen Absturz
überlebte er nicht.
Die zwei anderen Überlebenden hat Gibson
nie wieder getroffen. Auch weiß er nicht, wo die 16 toten beerdigt wurden.
Sicher nicht in Prettau, und "da es in Italien keine US- Friedhöfe
gibt, müssen die sterblichen Überreste wohl in die USA überführt worden
sein."