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Bräuche rund um die Geburt |
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Geburt und „Waisat“
Später bekam die Wöchnerin als Stärkung ab und zu gar eine Schale frische Milch - damals eine ausgesprochene Delikatesse und Rarität. Dann kam viel Besuch von Verwandten und Nachbarn, welche das Kind begutachteten und „Waisat“ mitbrachten, meistens „moura Blattlan“, einige Hefeteigzöpfe oder -kränze. Die Bäuerinnen besuchten sich untereinander und brachten als „Waisat“ außerdem einen Meter Stoff für das Kind oder manchmal einen Kilo Würfelzucker mit. Taufe Getauft wurde das Kind
meistens durch den Kooperator schon wenige Stunden nach der Geburt, denn man fürchtete,
das Kind könnte mit der Erbsünde sterben und daher für immer verloren sein.
Auch sagte man, man dürfe doch einen „Heiden“ nicht lange im Hause
behalten! Die Tauffeier (im Sommer in der Kirche, im Winter im Widum) fand
verständlicherweise immer ohne Beisein der Mutter statt, aber auch ohne den
Vater, der es - damals - unter seiner Würde empfand, daran teilzunehmen. War
das Leben des Kindes gefährdet, durfte auch die Hebamme bei der Geburt die
Nottaufe spenden. Die Taufe mit frisch
geweihtem Oster- und Pfingstwasser hatte eine besondere Bedeutung; nur ehelich
geborenen Kindern wurde diese Ehre zuteil. Kinder lediger Mütter
bekamen, um sie zu brandmarken und die offensichtliche Schande deutlich
sichtbar zu machen, manchmal einen besonders ausgefallenen Namen, den strenge
Großmütter oder Pfarrer aussuchten, wie z. B. Pelagia, Portiunkula, Agatha,
Skolastika, Kunigunde, Tobias, Elias, Polykarp, Lazarus, Titus, Pankraz,
Bonifaz, Kosmas. Unehelich geborene Kinder durften später keinen geistlichen
Beruf ergreifen. Aufsegnen Frauen, die ein Kind
geboren hatten, mußten sich, bevor sie wieder in die Kirche gehen und
die Sakramente empfangen durften, vom Pfarrer „aufsegnen“ lassen. Dieser
Brauch soll dem „Maria Tempelgang mit Tauben“ nachempfunden sein. Laut
Begründung der Kirche sollte die Frau vor den Einflüssen der bösen Geister
geschützt werden. Die Wöchnerin durfte vor dem kirchlichen Aufsegnen nie
allein gelassen werden, und sie durfte den „Trupfschtoll“ (Reichweite der
Traufe) niemals verlassen, denn sonst, so fürchtete man, würde sie
fortgetragen werden. Innerhalb der Reichweite der Traufe, so glaubte man, hätten
die bösen Geister keine Macht über sie. Die Frau ging immer alleine
zum Aufsegnen. Der Pfarrer kam im Chorrock aus der Kirche und empfing die Frau
im „Guggo“, im Windfang vor dem Eingangstor zur Kirche. Eine von der Frau
mitgebrachte, geweihte Kerze wurde angezündet, die Frau kniete sich auf die
Schwelle. Der Pfarrer sprach ein Segensgebet für Frau und Kind, legte seine
Stola um ihren Arm und führte sie in die Kirche. Den Frauen, welche ein
uneheliches Kind geboren hatten, wurde das Aufsegnen verweigert. Für seinen
Dienst der Wiederaufnahme in die kirchliche Gemeinschaft erwartete der Pfarrer
eine Geld- oder Lebensmittelspende. Tauf- und
Firmpate Die Paten hatten vor allem
eine moralische Vorbildfunktion zu erfüllen. Außerdem erwarteten die
Patenkinder von ihnen das ganze Leben lang um Neujahr ein Geschenk. Dafür
wurde den Paten höchste Anerkennung zuteil: Traf das Patenkind seinen Paten,
so wurde ihm jedesmal als Zeichen der Hochachtung die Hand gereicht. Diese
Ehre wurde außerdem nur noch dem Pfarrer und dem Lehrer zuteil. Früher erhielten die
Kinder bei der Taufe von ihrem Taufpaten die sogenannte „Töütnbixe“,
eine hölzerne, runde, manchmal bemalte, mit einem Schraubverschluß versehene
Sparbüchse, dazu geweihte „Taafpfennige“. Gefirmt wurde früher nur
in St. Johann - ältere Ahrntaler erinnern sich noch an den weiten Fußweg
dorthin. Zum Anlaß der Firmung schenkte der „Firmteïte“ seinem Patenkind
meistens eine Uhr oder „öppans van Giwonte“. Wer religiöse Andenken
kaufen wollte, konnte dies bei der „Botto Warbl“ oder auch bei anderen Händlern
tun, die aus Anlaß der Firmung in St. Johann ein Verkaufsständchen
aufbauten. Lulla Kinderschnuller
kannte man früher nicht, und so verwendete man eben andere Hilfsmittel, um
das Kind zu beruhigen: Ein Stücklein Brot oder ein Tüchlein, in das ein Löffel
voll Mus gefüllt war, wurde den Kindern in den Mund gesteckt. Wenn das Kind nicht
einschlafen konnte, flößte man ihm einen Tee aus gekochten Mohnkapseln,
seltener auch etwas Schnaps ein; die Kinder schliefen dann so tief wie ein Bär
im Winter - so versichern ältere Ahrntalerinnen. Vereinzelt hört man im
Ahrntal auch, daß man einem Kind unter zehn Jahren niemals rohe Eier geben
darf, denn sonst „ziglgg“ man einen Gauner (zigl = aufziehen). |
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September 2002 aktualisiert. |