Ins Bau foung (Zum Ackern fahren) |
Noch lange nach dem Zweiten
Weltkrieg waren die Ahrntaler Bauern Selbstversorger. Dazu gehörte auch der
Anbau von Kartoffeln, Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen), Hackfrüchten
(Speise- und Futterrüben), Kohl, Mohn und Flachs. Natürlich wurden im
Frühjahr und im Herbst auch verschiedene Getreidesorten angebaut, v. a.
Roggen, Hafer, Gerste und Weizen, wobei der Weizen im Ahrntal nur auf
besonders humusreichen und sonnigen Böden gedeiht.Da nur einige Bauern im Dorfe ein eigenes
Pferd besaßen, war man beim Bestellen des Ackers auf Nachbarschaftshilfe
angewiesen. Man tat zwei Pferde zusammen, und der „Rösa" (der
Pferdeführer) zog von Hof zu Hof, um die Äcker zu bearbeiten. Bereits um
zwei Uhr morgens mußten die Rosse gefüttert werden, der Fütterer bekam
dafür am Vormittag frei. Meistens war man schon um fünf Uhr beim Pflügen
auf dem Acker - eine anstrengende Arbeit auf den steinigen Ahrntaler Feldern!
„Rösa" und „Pflüigheïba" (meistens der Knecht oder das
Knechtl des jeweiligen Bauern) hatten deshalb an diesem Tag Anrecht auf ein
besonders gutes, fettes Essen: Zum Frühstück gab es meistens „Gibochns"
oder „Ribla", die „Ockokropfn" gab es um sieben Uhr auf dem
Acker. Eine besondere Spezialität an diesem Tag waren die „Tunkamaislan"
(Hefe-Fettgebäck in einer Marmelade- oder Weintunke). Das „Nainan"
fiel bei manchen Bauern aus, dafür aß man schon um neun Uhr in der Früh zu
Mittag: Der „Rösa" und der „Pflüigheïba" saßen meistens
privilegiert an einem separaten Seitentischlein. Nach dem Mittagessen hatte
der „Rösa" Recht auf zwei Stunden Pause, in der er allerdings die
Pferde füttern und pflegen mußte. Die gewöhnlichen Dienstboten mußten
inzwischen die Äcker „anhauen" , also die Grassoden mit Erdhauen
zerhacken und das Erdreich auflockern. Um zwei Uhr nachmittags gab es Marende
und wiederum eine Stunde Pause, um die Pferde zu füttern. Von drei Uhr bis
Feierabend ging die Arbeit weiter, dann wurden die Pferde noch einmal
gefüttert, und weiter ging’s zum nächsten Bauern, bei dem der „Rösa"
oft erst spät in der Nacht ankam.War der Acker gepflügt und angehauen, so wartete der Bauer auf das richtige „Zuachn" (Mondzeichen), erst dann säte er das Korn ein. Nach dem Decken des Ackers segnete ihn der Bauer, indem er mit einem Rechenstiel drei Kreuze in die Erde zeichnete und manchmal noch folgende Bitte aussprach: „Herrgött, wio hobm ‘s Insrige gitóo, itz tü du nu ‘s Dainige."
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Dachglocken |
Der Knecht machte aber meistens noch keine Anstalt, zu der Mahlzeit vorauszugehen, sondern arbeitete immer noch eine kleine Weile weiter. „La di Henn tinn ban Löckn gschwind renn", so lautet eine Ahrntaler Redensart. Außerdem ließ er sich nicht gerne vorhalten, „a Minutnzupfa" zu sein. Aber endlich ging der Knecht doch voraus, und waren dann nicht sofort alle im Haus, gab er der Dachglocke noch ein paar „Glanggra" (Schläge) und begann sofort mit dem Beten.
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Diese Seite wurde am 20.
September 2002 aktualisiert. |