Zu der Zeit, als man im Ahrntal noch keine Sozialversicherungen und Altersrenten kannte, wurden die Dienstboten,
wenn sie arbeitsunfähig, alt und krank geworden waren, für die Gemeinden zum Problem. Die vereinzelten Sozialeinrichtungen,
die Armenhäuser (Siechenhäuser) in manchen Dörfern (z.B. an der Maure in St. Peter, beim Körber in St. Johann) reichten
bei weitem nicht aus, um alle Armen aufzunehmen. Hatten Knechte und Mägde kein Heim, wo sie ihre alten Tage verbringen
konnten, so wurden sie "Ôleïga" oder "Ummagiëna". Jeder Bauer oder einigermaßen wohlhabende Handwerker verpflichtete sich,
einen oder zwei "Ôleïga" an genau festgelegten Tagen - die Aufenthaltsdauer hing von der Größe des Besitzes ab - zu sich
zu nehmen und zu verpflegen. Nach Ablauf dieser Zeit "schob" man sie ins Nachbarhaus ab. Diese "Ummagiëna" waren die
Armseligsten der Armen; sie mußten manchmal im Stall schlafen und waren verwahrlost und voller Ungeziefer - eine Art
Badestube beim "Wischpla" in St. Jakob konnte nur wenig Abhilfe schaffen. Zudem wurden sie von manchen Leuten auch noch
verachtet und geneckt. Zum Ausdruck kommt dies durch die Ahrntaler Redensart "Fressn as wi a trouginto Ôleïga" oder durch
die Spitznamen, welche man diesen Armen gab: So gab es einen "Prettnaua Tuscha", einen "Fluscha", einen "Hollechn Toschtl",
die "Totschate Threse", den "Ochnaberga Juuchaza", und die "Jodn Nöcke".
"Ôleïga" soll es bis zum Ersten Weltkrieg gegeben haben; erst als das Altersheim in St. Johann im Jahre 1904 die ersten
Armen aufgenommen hatte, wurden sie immer weniger.
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