Im Herbst, wenn die Flachspflanzen braun wurden und die Samenkapseln reif waren, wurden die Pflanzen ausgezogen und
ein paar Wochen lang in der Sonne zum Trocknen und Zersetzen ausgelegt. Dann wurden die Flachspflanzen auf dem Dreschstadel
so lange mit den Dreschflegeln durchgedroschen, bis der Leinsamen aus den Kapseln gefallen war. Aus dem Leinsamen mahlte
man Mehl, oder man gewann daraus das Leinsamenöl, ein bewährtes Heilmittel für Mensch und Vieh.
Dann kam der große Tag des Brechelns. In einer großen, ausgemauerten Grube, der "Brechlgrüibe", wurde Feuer gemacht,
darüber legte man einen Rost aus dicken Holzstangen. Auf diesem Rost wurden die Flachspflanzen leicht angeröstet, ehe sie
dann in die Hände der Brechler und Brechlerinnen gerieten. Diese brachen die harte, äußere Hülle der Flachsstengel in der
Brechel, einem tischhohen Holzgestell mit einer beweglichen Holzklinge, und legten somit die blonden Flachsfasern frei.
Das ganze Dorf war vom hölzernen Gelärme der auf- und niedergehenden Brecheln erfüllt, während die Brechler über alles
und jeden redeten, tratschten und herzogen, alles wurde eben "ougihachlt". Die Hachl ist bezeichnenderweise ein mit
spitzen Nägeln besetztes Holzbrett, durch das die Flachsbüschel ("Hou") durchgezogen und von den letzten Holzteilchen
gesäubert wurden.
Während des Flachsbrechelns gab es den Brauch, daß vorbeigehenden Männern von den Brechlerinnen der Hut vom Kopfe
gerissen und darauf der "Brechlbusche" befestigt wurde; dieser bestand meistens aus drei Nelken, etwas Rosmarin oder
ein paar Kornblumen und war mit dem ersten gebrechelten "Haar" zusammengebunden. Der Betroffene mußte den geraubten Hut
durch allerhand Leckerbissen, wie Wein, Kekse, "a Schomizzl Zuggolan" (eine Tüte voll Bonbons), Äpfel oder auch durch
Geld von den Brechlern wiederum freikaufen.
Außerdem wurden die Buben oft zum Scherz zu den Nachbarn geschickt, um einen "Brechlweitzschtua" (Brechelwetzstein)
zu leihen; diese verstanden natürlich sofort, daß damit eine Flasche Schnaps oder Wein für die Brechlergesellschaft
gemeint war. Den Kindern spielte man auch manchmal einen derben Scherz, indem man ihnen als "Brechlweitzschtua" einen
Korb voller Steine auflud.
Während der Brechelzeit gab es auch oft einen besonderen Leckerbissen zum Essen: ein mit Mohn bestreutes Mus.
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